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Basistraining mit Quadro Faktum

Prolog

Geburtstage sind, vom älter werden mal abgesehen, eine schöne Sache. Liebe Menschen machen sich Gedanken und versüßen einem den Alterungsprozess mit oftmals nützlichen Dingen. So meine Frau, die mir ein Offroad-Basistraining von Quadro Faktum schenkte und damit einen Volltreffer landete. Vom 08. bis 10. April 2016 war ich mit der ganzen Familie auf Tour.

Dass ich meinen „blauen“ G nicht nehmen konnte, da er aktuell zu diversen Gewährleistungsreparaturen bei der GFG weilt, stellte sich zunächst als echte Herausforderung dar. Wie ich dann zum 2. G kam, kann man unter „Einen für die Oldtimer Ausfahrt und einen für den Sandkasten“ nachlesen. Mit dem Kauf dieses Fahrzeuges alleine war es aber dann nicht getan.

Leider gibt es nicht viele KFZ-Werkstätten, die gerne Arbeiten an diesen Fahrzeugen annehmen. Die Beschaffung der Ersatzteile gestaltet sich trotz exzellenter Versorgung durch Mercedes Benz nicht immer einfach. Die Technik ist alt, Reparaturen oft zeitaufwendig und am Ende gibt es noch Diskussionen mit dem Kunden. So jedenfalls ist meine Erfahrung, wenn man mit einem alten G auf den Hof einer Werkstatt fährt. Nicht so bei meinem alten Bekannten Frank Hecker von der KFZ-Technik Gau-Algesheim.KFZ-Technik Gau-Algesheim

Auf der Hebebühne bestätigen sich meine Vermutungen und es kommen noch weitere Aufgaben hinzu. Der Vorbesitzer hatte das Vorhandensein der Schmiernippel irgendwie länger ignoriert. Überall, wo eigentlich Fett sein sollte, ist es staubtrocken. Die Wasserpumpe ist definitiv hinüber, die Keilriemen hängen teilweise in Fetzen, die Scheiben vorne haben starken Rostfrass, die Belege sind hinüber. Die Belege hinten sind auch hinüber, die Bremsseile hin. Obwohl der Verkäufer versicherte, dass der Wagen kein Öl verliert, habe ich am hinteren Simmerring einen Öltropfen und am Winkelgetriebe des Tachos auch. Ich lasse den Wagen da und erteile den Auftrag bis Anfang April alles zu fixen.

Pünktlich am Dienstag Abend den 05. April hole ich den Wagen ab. Bis auf den Auspuff ist alles erledigt. Beim Auspuff gibt es Probleme, denn wegen der Umbauten passt der originale Endtopf nicht mehr. Die Zeit war zu knapp, wir heben uns also diese Sache für später auf. Den Ölverlust versuchen wir mit Liquid Moly Öl-Stop zu minimieren, mal sehen ob es klappt.

Am Mittwoch morgen tanke ich den G erstmals voll. 52,17l gehen rein und die Pistole schaltet brav ab. Ich wundere mich noch, sagte der Verkäufer nicht, es gäbe damit ein Problem? Mir ist es erstmal egal, denn ich will den Wagen jetzt noch zwei Tage auf seine Zuverlässigkeit hin prüfen und damit jeden Tag die 25km zur Arbeit fahren.

Kaum habe ich im Büro Platz genommen, steht schon ein Mitarbeiter in der Tür. „Chef, Dein Auto stinkt nach Benzin.“ … nicht schon wieder, denke ich und eile nach unten zum Parkplatz. Entgegen des letzten Males tropft es an drei Stellen im Sekundentakt. Nach 15 Minuten habe ich die Schnauze voll und bringe den Wagen zum Boschdienst Jannsen um die Ecke. Dort ist man „massiv begeistert“, dass ich nun deren Parkplatz volltropfe, aber immerhin hat man dort etwas zum Unterstellen, was ich nicht hatte. Den Auftrag, das Leck zu suchen und nach Möglichkeit zu beseitigen, nimmt man zum Glück dann aber doch an.

Gegen 16 Uhr erhalte ich einen Anruf mit schlechten Nachrichten. Der Tank ist an beiden Stellen, an denen er am Rahmen anliegt, durchgerostet. Ein neuer Tank (Kunststoff) hat zwei Tage Lieferzeit. Die Zeit habe ich aber nicht. Schweißen kann und will der Boschdienst nicht. Ist wohl auch nicht so einfach, wenn der Tank nicht komplett frei von Benzinrückständen ist. Ich rufe also meinen Nachbarn im Gewerbegebiet, Mario Fischer (Eigentlich baut und repariert er 4×4 bis 8×8 Expeditionsmobile und ist Hummer Fan.), an. Er will mir den Tank mit einem speziellen Stossstangenreparaturkit verkleben. Am Donnerstag hole ich den Tank ab und bringe ihn zurück zum Boschdienst, der G steht dort noch. Freitag 10:30 kann ich den Wagen abholen. Der Tank hält dicht.

Zwischenzeitlich ist der Unterfahrschutz für den Motor eingetroffen, den ich bei eBay noch schnell erstanden habe. Ein bisschen verbeult und mit leichtem Rostansatz, aber mit sehr guter Substanz. Günstig war er auch noch. Ich habe allerdings unterschätzt, dass man dieses Teil alleine nur schwer montieren kann. Mit Hilfe eines Wagenhebers und viel Geduld schaffe ich es dann aber doch. Bereit zur Abreise, mit einem eigenen Fahrzeug und nicht nur als Zuschauer der Veranstaltung.

Anreise

So ein kurzer G hat ja faktisch kaum einen Kofferraum. Meiner Frau war das egal. Zwei Bobbycars, Taschen, meine Kiste mit allem was man so mitführen muss (Verbandskasten, Warnwesten ..), Schaufeln für die Kinder, Sandspielzeug, Jacken, Proviant … so ist es schnell voll hinter den hinteren Sitzen.

Auf nach Belgien. Das erste Ziel heisst Hotel Rittersprung im Örtchen „Ouren“. Wir fahren natürlich erstmal schön über Bundes- und Landstraßen. Raus aus Rheinhessen, über den Hunsrück ins Moseltal und wieder raus. In Mülheim (Mosel) machen wir eine erste Rast und genehmigen uns ein Stück Kuchen und einen Kaffee, die Kinder nehmen Kakao, im Hotel Weisser Bär. Sehr zu empfehlen. Da wir nun „genug“ herumgegondelt sind, nehmen wir ab Zeltingen die A60 in Richtung St. Vith (Belgien). Im Grunde sind wir fast die gleiche Strecke gefahren wie früher mit dem Motorrad nach Spa Francorchamps. Da kommen an vielen Stellen alte Erinnerungen wieder auf.

Auf dem Weg durch Berg und Tal kommen die mittlerweile nicht mehr ganz so zornigen 90 PS schnell an ihre Grenzen. Man braucht schon hier und da den dritten Gang um den Berg hinauf zu kommen. Auf der Autobahn und mit Schwung läuft der „Grüne“ aber auch knapp 110 km/h (GPS). Wobei es ab 90 km/h nicht mehr wirklich viel Spass macht. Die Tanknadel kommt in dem Tempo aus der Bewegung auch nicht heraus.

Mit nahezu trockenem Tank füllen wir in St. Vith noch mal voll auf, und fahren dann weiter in das kleine Örtchen „Ouren“. Nach etwas mehr als dreieinhalb Stunden sind wir am Ziel. Ouren hat ca. 100 Einwohner und ist eine von etwa 9 Gemeinden des deutschsprachigen Teiles in Belgien. Bis dahin wusste ich nicht, dass es so etwas gibt. Die Strassen dorthin wären in Deutschland bessere geteerte Feldwege, aber das Navi bringt uns punktgenau auf den Hotelparkplatz. Bis jetzt ist der Parkplatz noch leer. Das Hotel „Rittersprung“ ein kleinParkplatz Rittersprunges familiäres Hotel. Schöne Zimmer, gute Betten. Eine sehr ansprechende Ausstattung, schönes Bad und alles sehr sauber. Das Restaurant lockt mit einem Dreigangmenü, welches wir gerne annehmen und uns dazu einen Riesling aus Luxembourg schmecken lassen.Der Parkplatz hat sich inzwischen merklich gefüllt. Es sind ein Landrover Defender 90 TD4 und ein Jeep Grand Cherokee hinzugekommen. Im Restaurant gibt es schon ein erstes „Hallo“, mit einen Pärchen aus Hanau und einem aus Gelnhausen. Nach Essen und Wein sowie einem 18-jährigen Glenmorangie an der Bar geht es ins Bett mit viel Vorfreude auf den kommenden Tag.

Quadrofaktum Basistraining

Die Nacht war kalt, der G ist mit Raureif überdeckt. Beim Frühstück lernen wir noch Vater und Sohn aus Cuxhafen kennen. Der Vater ein alter Offroader, sein Sohn soll den 110er Defender TD4 aber auch fahren können. Männerausflug sozusagen. Mach ich in 10 Jahren mit meinem Filius dann auch mal. Nach dem Frühstück heißt es aufsitzen. Alle sind eingestiegen, aber der G hat keine Lust anzuspingen.

Die beiden Hanauer bleiben erstmal bei uns, während ich am Anlasser jodelnd versuche, die Maschine in Gang zu bringen. Unwillig und nur auf zwei Töpfen springt er dann an. Ich brauche 5 Minuten bis er im Standgas einigermassen rund läuft. Unter Last gibt es immer wieder Aussetzer und laute Fehlzündungen. In Ouren ist dank mir nun jeder wach. Nach ein paar Minuten, der Motor wird wärmer, wird es besser und besser und der Motor schnurrt wie immer. Darum werde ich mich kümmern müssen. Entweder die Kaltstartautomatik am Stromberg tut es nicht, oder aber die Zündung hat irgendwo Gammel. So meine erste Einschätzung.

Wir treffen dennoch pünktlich und nicht als letzte gegen 09:20 Uhr am Offroad Park ein.

MX Dürler Motocross Park

Zwischen 09:30 und 10 Uhr treffen alle weiteren Teilnehmer ein. Es gibt ein zweites Frühstück. Mit uns sind es zu Beginn der Veranstaltung dann:Life is too short to drive boring cars

4x Defender
2x Discovey
1x Porsche Cayenne
1x Lada Niva
1x Jeep Cherokee
1x Jeep Wrangler
1x Nissan Pickup
1x Mercedes G

Macht 12 Teilnehmer. Michael H. Falter, der Fotograf, kommt mit einem G400 CDI. So ist meiner nicht mehr alleine.

Die Meute

Stefan Schuhmacher erklärt die Grundlagen der Fahrzeugtechnik in Bezug auf Allradantriebe, Differenziale, Untersetzungsgetriebe und Differenzialsperren. Er geht intensiv auf die Unterschiede rein mechanischer Lösungen und den heutzutage vorherrschenden elektronischen Helferlein ein. Sperren die mit ABS/ESP „emuliert“ werden, haben nahezu die gleiche Wirkung wie Fahrzeuge mit rein mechanischen Sperren. Allerdings muss man die Fahrweise deutlich anpassen. Hat man einen elektronischen Helfer, der auf ABS basiert, so muss man Gas geben, damit das Rad durchdreht und dann mittels Elektronik wieder gebremst wird. Viele dieser Beispiele und viele Abkürzungen verschiedener Hersteller und Jahrgänge werden vorgestellt und besprochen.

Dann geht es zu dem Teil des Fahrens im Gelände. Bergauf- und Bergabfahrten. Schräglagen, Wasserdurchfahrt und Backup Recovery sind die Themen.

Nach etwa 1,5h Theorie vertreten wir uns die Beine, trinken einen Kaffee und nehmen eine Flasche Wasser für die geführte Einführungsrunde mit. Mit an Bord die ganze Familie. Die 12 Teilnehmer werden in drei Gruppen aufgeteilt. Wir sind in der ersten Gruppe und unser Instruktor heisst Guido. Vor der Abfahrt gehen wir gemeinsam nochmals um das Fahrzeug, kontrollieren Reifen etc. Dann noch eine kleine Einführung wie man sitzt und wie der Gurt korrekt angelegt wird.

Gruppeneinteilung

Dann geht es aber los in die lange Einführungsrunde. Wir fahren alle mit Allrad und Geländeuntersetzung. Meine Sperren vorne und hinten werden nicht gebraucht.

Schon im Theorieteil kam des Öfteren mal vor, dass man das zu befahrende Gelände erstmal zu Fuß begeht. So machen wir es also. Wir stehen vor unserer ersten Kuppe, kraxeln sie hinauf und sehen den ersten „Abhang“ hinunter.

Erster Berg

Das erste Mal ist wohl immer schwer. Nun denn, es sind nicht mehr als 1,5m aber es sieht steil aus. An den Rand fahren, Gas geben, in dem Moment wo der Vorderwagen zu 2/3 auf dem Podest ist Gas wegnehmen. Wir sind oben. Dann langsam an die Kante, Räder gerade, 1. Gang und alle Pedale loslassen. Ein Scheiß-Gefühl, aber es klappt.

So machen wir eine wiederum 1,5h dauernde erste Runde und lernen dabei das Gelände zu Fuß kennen um es dann mit dem Fahrzeug zu bewältigen.

Die Steigungen werden steiler und vor allem länger. Es gibt frisch aufgeworfene Erde wie auch Auswaschungen und Spurrillen. Hängende Kurven und lange Bergauf- und Bergabfahrten. Einige kann man dann auch nur zu Fuß ansehen, aber nicht mehr wirklich gut gehen. Die Autos schaffen es alle. Die Anspannung weicht Freude und Spaß.

Da die letzte Gruppe noch braucht, kann die erste Gruppe vor dem Mittagessen noch eine Runde frei fahren und gleich das Gelernte ohne Instruktor umsetzen. Guido darf dafür, dass er die erste Gruppe anführte, den Grill anwerfen und das Mittagessen auf Holzkohle garen.

Nach einer weiteren Runde stellen wir dann alle die Fahrzeuge ab und fallen hungrig über Grillgut, Salate und Nachtisch her. Die Truppe ist gut gelaunt und alle haben offensichtlich Spaß. Es ergeben sich viele Benzingespräche. Nach dem Mittagessen haben alle die Gelegenheit, den Parcours bis ca. 17 Uhr frei zu befahren. Zudem werden von den Instruktoren vier Workshops angeboten, die jederzeit wahrgenommen werden können.

Ich nehme natürlich an allen Workshops teil. Angefangen mit der Technik des Einweisens bzw. die Einweisung zu verstehen und umzusetzen. Dies ist die Grundlage für den Workshop „Schrägfahren“, denn dort bringt Stefan Schuhmacher den Wagen an die Grenze.

Schraeg Einweisung

Alba fand die Einweisung nicht interessant, der Rest schon.

Bei meinem G haben wir das nicht ganz geschafft, aber die höheren Defender waren schon ganz schon kippelig. Dennoch wäre ich von alleine nie auf die Idee gekommen, den Wagen so schräg zu stellen.

Schraeg 1Schraeg 2

Es kommt noch die Wasserdurchfahrt, die viel Spass macht. Allerdings kommt schon klar Wasser ins Auto. Wohl dem, der auf jeder Seite einen Ablauf hat.

Mit einer der spannendsten Workshops war aber der Backup Recovery Workshop. Man würgt am Hang den Motor ab und steht nun da. Am Ende hat man den Rückwärtsgang drinnen, hat keinen Fuss mehr auf einem Pedal und dreht einfach den Zündschlüssel. Ohne Ruckeln springt der Wagen an und fährt ruhig und kontrolliert den Abhang rückwärts hinunter.

Es gibt kaum Ausfälle. Bei der Wasserdurchfahrt müssen die Jeeps wegen der Verspoilerung passen. Der Cayenne bleibt einmal im Wasser hängen und muss herausgezogen werden. Mit normalen Strassenreifen ist es aber auch nicht gerade vorteilhaft, in einer schlammigen Spur durch tiefes Wasser zu fahren. Die Spur wird auch immer tiefer.

Die oberen Bilder zeigen die erste Durchfahrt. Bei der letzten Durchfahrt steht das Wasser schon deutlich höher, was man an der Schlammlinie deutlich erkennen kann.

230G Wolf

Um 17 Uhr treffen sich alle noch auf ein Stück Kuchen und einen Kaffee. Im Anschuss geht es dann zum Ausblick auf den Kurs für Fortgeschrittene. Dabei geht es um Verschränkungen. Gezeigt wird das Ganze mit dem Lada Niva. Schon krass, was der Wagen alles mitmacht. Der Fahrer, ein Teilnehmer, wird von Stefan Schuhmacher durch einen Verschränkungsparcours gelotst. Der Lada hebt brav mal das vordere Bein, mal das hintere Bein, mal vorne und hinten gleichzeitig. Die fehlenden Sperren werden durch Schwung ersetzt.

Lada Niva verschraenkt

Um 18 Uhr endet das Programm. Guido (Instruktor) erklärt mir noch warum man beim Starten des Motors eigentlich die Kupplung nicht treten sollte. Michael (Fotograf) ist mit seinem G400 CDI vollkommen zufrieden und hatte noch nie wirklich Ärger mit dem Wagen. (Laut einigen Teilnehmen des viermalvier.de Forums eigentlich unmöglich. 🙂 ) Stefan hat es auch Spaß gemacht. Frau und Kinder hatten einen tollen und vollen Tag im Schlamm.

Alba Schlamm

 

In Belgien ist offensichtlich alles ein wenig anders. So bekommen wir den Weg durch einen Wald als Abkürzung und die nehmen wir dann auch in Richtung Hotel.

Fazit: Viel gelernt. Viel Vertrauen in den G gewonnen. Nette Leute kennengelernt. Viel Spaß gehabt und den Entschluss gefasst den Tarn-G erstmal zu behalten. Ausserdem werden wir den Kurs für Fortgeschrittene besuchen, nächstes Jahr.

Im Hotel machen wir uns erstmal frisch und entern dann wieder das Restaurant. Diesmal etwas schmaler bei der Bestellung, wurden wir den ganzen Tag doch vortrefflich verpflegt. Aber eine obligatorische Flasche Wein (diesmal einen Chardonnay aus Luxembourg) und einen Glenmorangie Quinta-Ruban zum Schluss muss dann doch sein.

Heimreise

Nach dem Frühstück wird der G wieder bepackt und wir treten mit den gleichen Startproblemen wie am Vortag die Heimreise an.

Zuendung...

Ein Besuch im Eifel Zoo macht die Kinder froh.

Eifelzoo

Anschließend dann über die Autobahn A60, das Moseltal, Mittagessen an der Mosel, die Hunsrückhöhenstraße B50 und die A61/A60 nach Hause.

Epilog

Es war ein tolles Wochenende, das Auto hat gehalten und wird behalten. Nun muss der Auspuff noch gemacht werden. Es müssen andere Felgen drauf. Das Kaltstartproblem muss verschwinden. Ein neuer Tank muss her und viele kleine Dinge die anfallen, wenn man einen alten G fährt. Ich glaube es ist ein Spruch der Landy Fahrer, aber es passt auch hier: „Er ist nie ganz heil, aber auch nie ganz kaputt.

Einen für die Oldtimer Ausfahrt und einen für den Sandkasten

Da war er wieder … ein guter Grund ein Auto zu kaufen. Mein schöner blauer G ist schon wieder in Kur. Die Mängelliste leider noch immer lang und der Weg zum G geht in die Verlängerung. Nun schickte es sich an, dass ich ein Off-Road Wochenende in Belgien mit der ganzen Familie zum Geburtstag geschenkt bekam. Im April. Bis dahin wird der „Blaue“ nicht fertig sein und ausserdem ist er mir doch mittlerweile zu Schade für den Dreck. Kurzum, im Januar geht die Suche los und ich muss gestehen, dass ich von der Welt der Autohändler einmal mehr enttäuscht bin, auch wenn es löbliche Ausnahmen gibt. Aber von vorne …

Parameter: Geländewagen mit Allrad und Sperren. Möglichst nicht zu teuer, mit TüV und wenn es geht mit grüner Plakette.

Am Anfang kam der Gedanke, einen Geländewagen leihen zu können, auf. Verleihen für ein Off-Road Wochenende wollte aber niemand einen Wagen.

Dann kommt der Gedanke auf einen Wagen zu kaufen, um mit einem Kurzzeitkennzeichen zu dem Wochenende nach Belgien zu fahren. Anschliessend (nach der Wäsche) würde er wieder verkauft werden.

Nach vier Wochen der Suche kam ich nicht wirklich voran. Um so wenig wie möglich Verlust zu machen, müsste ich von Privat kaufen. Kaufe ich von einem Händler, büsse ich im Zweifel einen Teil seiner Spanne ein. Was angeboten wurde war jedoch nicht wirklich sinnvoll. 20 Jahre alte Gs mit Dieselmotor (ohne grüne Plakette) und 300T+ km, Defender mit mehr Beulen und Rost als man will und ebenfalls maximal mit einer gelben Plakette. Für den Wiederverkauf alles Mist.

Vielleicht einfach doch bei den Baujahren etwas weiter hinten schauen, die Defender der Serie III gefallen mir nicht wirklich. Bei dem Discovery war ich mir ob des Wiederverkaufwertes nicht sicher und auch des Aufwands um sie überhaupt verkauft zu bekommen. Ausserdem kenne ich mich mit Land Rover nicht aus.

Ein alter G wäre schön. Meine Frau fände einen Feuerwehr G toll. Also suchen wir mal. Auto Zitzmann hat einen Feuerwehr 280GE im Programm. An der Stelle ein Lob, denn ich rief an und fragte nach dem Zustand. Der Verkäufer gab mir ohne viele Worte und Schönrederei Antwort. Ohne umfangreiche Restaurierung keinen TüV, starker Rostbefall an Karosse und Rahmen. Bedeutet Kernschrott für 15k EUR. Keine Alternative.

Es tut sich ein zweiter Rot/Weiss lackierter G im Netz auf. Ich frage per eMail an ob es ein Feuerwehr G sei. „Ja, Feuerwehr“ ist die knappe Antwort. Ich frage höflich per eMail an, ob ich denn ein paar Bilder von unten haben könnte und generell ein paar Bilder mehr als die unscharfen drei im Netz. Im Netz übrigens ist der Wagen als (2. Hand, 44tkm, top zustand) beschrieben. Erst meint der Verkäufer ich soll mir den Wagen angucken kommen. Als ich nochmals interveniere und klarstelle, dass ich nicht 800km fahre um mir einen „Eimer“ anzusehen, bekomme ich die angefragten Bilder. Spätestens an der Farbe des Motorraumes erkennt man, dass es ein BGS Wagen war. Damit glaubt keiner die 44tkm. An den Radläufen sind massive Durchrostungen und Rostblasen, die der Verkäufer als „Flugrost“ bezeichnet. Die Stossdämpferaufnahmen sind offensichtlich stark verrostet. Den Scheibenrahmen hat jemand mit einem Riffelblech geflickt. Derjenige hat sich richtig „Mühe“ gegeben, denn er hat die Bleche einfach oben drauf geschweisst. Nachdem die Bilder angekommen sind spricht der Verkäufer auf Band und meint, da wären ein paar Roststellen, aber wenn er die mit schwarzem Lack überspüht hätte, hätte ich die gar nicht gesehen. Zur Erinnerung, in der Anzeige steht „Top Zustand“. Mehr wollte ich dann nicht mehr sehen. Der Verkäufer bittet nach meiner freundlichen Absage um eine positive Bewertung bei mobile.de … ohne Worte.

Man könnte diese Liste endlos weiter führen. Ich frage mich mit welcher Dreistigkeit hier teilweise Gesetze gebrochen, Betrogen und Getäuscht wird.

Die gespeicherten Suchen bei Mobile.de und AutoScout24 spucken täglich neue Angebote aus, aber so richtig einschlagen tut keines. Es sind auch immer wieder Wölfe dabei. Einen Wolf will ich aber eigentlich nicht. Es sind meistens Diesel. Sind es keine, sind es welche aus der Schweiz und die haben keine Rückbank aber ich zwei Kinder die mitfahren wollen. Unter den „Flecktarn und Tarnfarben“ Anzeigen sehe ich aber immer wieder eine Anzeige die da lautet: „Mercedes-Benz G 230 Carbio Wolf W460 W461“. Darauf ein Wagen mit einer Wolf Karosse, W463er Stossstangen vorne und hinten, W463 Grill und W463 Kotflügeln. Keine Angabe von Vorbesitzern, keine Angabe zur Laufleistung. H-Kennzeichen steht noch dabei, Baujahr 1980, 4 Gang Schaltung, Sperren funktionieren, HU bis 01/2018.

Erst ein Albtraum für mich, auch wenn ich am „Blauen“ falsche Rücklichter habe/(hatte), stehe ich bei alten Autos doch auf Originalität, bzw. die Nähe dazu. Hier ist also ein vollkommen umgebauter W460, der nur noch Chassis, Motor und Getriebe von dem Basisfahrzeug hat. Aber dennoch spricht mich der Wagen an. Es sind diesmal 5 Bilder im Netz und die sind sogar scharf. Aber von unten und von den neuralgischen Stellen gibt es keine Details. Ich rufe an und frage nach weiteren Bildern. Der Verkäufer, komischerweise ein wenig genervt, habe ich ihm doch gar nichts getan, meint nur ich soll vorbei kommen und selber schauen. Die Nachfrage wer den Wagen umgebaut habe wird mit „unverständlich Schmidt“ beantwortet. Komisch, dass man auf meines Erachtens sinnvolle und normale Fragen unsinnige Antworten bekommt. Der Wagen steht ca. 3h von mir entfernt. Normalerweise hätte ich jetzt die Gespräche abgebrochen, denn es ist nicht einzusehen, dass ich einen ganzen Tag opfere ohne Wissen ob des Ausgangs. Vielleicht ist es auch nur ein „Eimer“ …

Diesmal aber dachte ich, dass es das Risiko vielleicht wert sei und machte einen Termin für den darauf folgenden Samstag aus. Da der Verkäufer den Wagen nur abgemeldet übergeben würde, fahre ich mit dem Auto statt mit dem Zug.

Angekommen mache ich einen ersten Rundgang um das Fahrzeug. Die Karosserie scheint wirklich in einem sehr guten Zustand zu sein. Der Umbau sieht gut aus. Kein Rost, keine Beulen. Hier und da ein paar Kampfspuren. Nichts weich, nichts bröselig. Der Verkäufer hat den Wagen mit einem Kumpel selbst umgebaut. Dokumentation gibt es keine. Er dient als Spielzeug im Sandkasten, sprich er wird im Gelände gefahren und sonst nicht. Er muss weg, weil ein neuerer G da ist und ihm der 230er zu schwach ist. Ausserdem geht er „im Wasser“ leicht aus. Mir ist das egal, den M115.973 kenne ich schon und ins Wasser werde ich wahrscheinlich so oft nicht fahren. TüV neu in 01/2016. H Kennzeichen trotz der Umbauten. Schicke Felgen, aber ohne ABE. Die Höherlegung selbst gemacht, also auch ohne ABE. Die Handbremse geht nicht und die Wasserpumpe hat einen Tropfen verloren. Der Endtopf muss überarbeitet werden. Beim Volltanken schaltet die Pistole nicht ab und es läuft Sprit raus wenn man nicht aufpasst. Letzteres kenne ich selbst. Motor und Getriebe laufen sauber, alles schaltet ohne grosse Probleme (3. Gang kratzt manchmal … ). Sperren gehen rein und funktionieren, wie man bei der Probefahrt auf einer nassen tiefen Wiese feststellen kann. Kein Knacken, kein Knarzen und wir kommen auch wieder raus als der Allrad und die Sperren aktiviert sind.

Innen ist zu 90% ein Wolf. Sogar ein Loch im Bodenblech mit Stöpsel. Vier Einzelsitze in gutem Zustand. Der Holzboden sieht sehr gut aus. Verstauboxen, Gewehrhalter … kein Drehzahlmesser, die Tankanzeige muckt wohl manchmal.

In Summe scheint es doch mit überschaubarem Aufwand getan. Die Bremsen sollten komplett überholt werden. Der Endtopf angepasst. Die Wasserpumpe kontrolliert. Wir werden uns mit einem Abschlag wegen der kleinen Mängel schnell einig und tauschen Bares gegen Fahrzeugbrief. Und das ist es, dass neue Sandkastenspielzeug.

230G Custom

Willkommen in meiner Garage …

 

„Warum ein G“ oder „Wie ich auf den G kam“

Von Kindesbeinen an, war alles mit Motor was auf vier bzw. zwei Rädern fuhr, schwamm oder flog ein fester Bestandteil meiner Gedankenwelt. Vor ca. 5 Jahren erreichte der Wunsch nach einem „Spielzeug“ ein Niveau welches nicht mehr zu ignorieren war.

Die Parameter des Spielzeuges … Offen und vier Sitze, damit die ganze Familie mit kann. Historisch, damit wir auch an Oldtimer Rallyes, Ausfahrten und Treffen teilnehmen könnten. Eigentlich hatte ich noch V8 und 1000 PS auf dem Wunschzettel, aber ich merkte schnell, dass irgendwo auch Kompromisse nötig sind.

Leider schieden bei diesen Parametern einige der „Klassiker“ aus. Ein alter SL zum Beispiel hätte mir gefallen. Auch ein offener 911, am besten mit „meinem“ Baujahr. Oder ein Alfa Spider. oder, oder, oder … Aber alles ohne vier Sitze. Plötzlich merkt man doch, dass offene 4 Sitzer nicht so oft vorkommen. Ein W111 wäre schön, aber unbezahlbar. So ging das immer weiter, entweder sehr teuer, oder nicht mein Fall. Ich wollte auch keinen VW Golf haben. Ein offener W123 war mir auch zu langweilig.

Eine schöne Erinnerung an die eigene Jugend war die Antwort. Ein offener 300GD war in der Zeit recht präsent. Er gehörte den Eltern eines sehr guten Freundes, welche auf einer Burg ein Restaurant betrieben.

Die Burg steht auf einem Berg, inmitten eines Waldes. Der Weg dorthin ist steil und im Winter nicht geräumt. Einer der Gründe warum der G hier eine perfekte Wahl war. Wie das mit den „Jungs“ so ist, hatten wir mit dem Wagen viel Spass, sowohl auf und abseits des Asphalts.

Es ist verjährt, deshalb kann man es wohl schreiben. 1990, als wir mal wieder Fussball Weltmeister wurden, fuhren wir mir den G nachts offen durch die Stadt … in meiner Erinnerung waren 10 und mehr Leute im Auto und grölten, hupten und feierten. Ein Ereignis das man sein Leben nicht mehr vergisst (die WM) und auch nicht die Umstände mit denen man es erlebt hat.

Eine weitere schöne Erinnerung war dann eine Fahrt mit vier Jungs in die Sommerferien nach Süd-Frankreich. Die Fahrt hat eine kleine Ewigkeit gedauert, aber wir hatten vor allem auch viel Spass. Der G war immer dabei.

Sehr weit entfernt von 1000PS und einen V8 gab es zu der Zeit im Serien G-Modell auch nicht. Also machte ich mich auf die Suche nach einem zivilen offenen 280GE der bald ein H Kennzeichen bekommen könnte oder schon eines hat. Das war 2010.

Leider musste ich schnell feststellen, dass die G’s nicht sehr weit verbreitet sind und Autos mit historischer Zulassung eher Seltenheitswert hatten. Für mich kam erschreckend hinzu, dass die angebotenen Wagen oft weit entfernt vom dem waren, wie sie mal ausgeliefert wurden, oder sich in einem Zustand befanden, den man als „Schrott“ bezeichnen muss.

Es mag daran liegen, dass ein G nicht nur wie ein Nutzfahrzeug aufgebaut ist, sondern auch wie ein solches behandelt wird und wurde. In einem entsprechendem Zustand befinden sich die Autos dann auch nach 20 Jahren Dienst im Wald, auf dem Feld, bei der Feuerwehr, dem Bundesgrenzschutz oder als Lastesel vor grossen Anhängern mit Pferden und Booten. Da nur „Mittel zum Zweck“ scheint die Pflege oft nicht wichtig gewesen zu sein.

Eine Militär Version des G, also den Wolf, wollte ich auch nicht haben. Die Klappscheibe find ich doof. Die Militär G’s haben zum allergrößten Teil den 240er Diesel. „Historisch“ ist das dann auch nicht, wenn man den vollständig umbaut und am Ende kein Wolf sondern ein anderes Auto auf dem Hof steht. Auch wenn die historische Authentizität nicht im Vordergrund steht, sollte der Wagen doch wenigstens in die Richtung gehen, die ein Auto diesen Typs in seinem Leben gegangen sein könnte.

Im Juni 2012 habe ich dann eine vielversprechende Anzeige im Netz gefunden. Nach 2 Jahren der Suche, dachte ich am Ende angekommen zu sein. Was ich zu der Zeit nicht wusste, der Weg sollte noch lang und steinig werden …