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Rallye mit leichtem Motorschaden / Ölfahne / G-Shop24

Donnerstags (Vatertag 2017) hatte ich mich an der ADAC Classic Rheinhessische Schweiz versucht. Die Platzierung war nicht berauschend, dafür habe ich mir einen aktuell noch unbekannten Motorschaden eingefangen. Nach dem Schiebebetrieb verbrennt der Motor Öl. Es gibt einen deutlichen Leistungsverlust. Irgendwas geht doch immer kaputt … Gamboree ruft und die Zeit rennt. Ein kleines Déjà-vu habe ich hier schon. Damals hatte ich den Flecktarn G als Notlösung gekauft, weil wir bei Quadrofaktum ein Offroad Training gebucht hatten und der blaue G nicht zurück kam. Dann stand die MSC Binger Mäuseturm an und wir hatten massive Probleme mit der Zündung.

Am Freitag starte ich eine Anfrage bei Kühne in Simmern, der mir kürzlich den Vergaser und die Zündung perfekt eingestellt hatte. Ich erhalte noch am Freitag eine Antwort welche lautet, dass Ventilschaftdichtungen nicht so ihr Metier sind. Ehrlich, aber jetzt doof für mich. Es kommt noch der Tipp mich mal bei Pusch in Klein-Winternheim zu melden. Pusch ist eine Koryphäe in Sachen Mercedes SL 190 und Flügeltürer und um die Ecke. Ein W460 ist dort so exotisch wie ein Eisbär in Afrika. Aber ich frage dennoch per eMail an. Die Antwort kommt am Montag morgen. Binnen 4 Wochen keine Chance, alles voll. Ich könnte am 13.06. mal vorbei kommen, dann könnte man schauen ob es die Ventilschaftdichtungen, Kolben oder schlimmeres ist. Das bringt mich nur leider nicht weiter, denn gucken heisst nicht reparieren.

Immer wenn ich in Sachen G verzweifelt bin und nicht weiter komme, ich gehe ins 4×4 Forum und Frage die Expertenrunde um Rat. Zwischenzeitlich habe ich auch noch die Website caroobi.com gefunden und Kontakt aufgenommen. Dort bietet man mir nach einem inhaltlich recht kompetenten Gespräch eine komplette Motorüberholung inkl. Abholung, Rücklieferung und mit überholtem Vergaser für 6000 EUR an. Maximal 14 Tage soll es dauern. 2 Jahre Garantie gibt es oben drauf. Als allerletzte Lösung ziehe es in Betracht und hoffe auf weitere Ideen. 

Ich schreibe auch goHermanns an, die mir in sehr guter Erinnerung geblieben sind, als es um meinen 280GE Cabrio ging. Aus dem Forum kamen auch viele Tipps und vor allem der Rat, dass es nur sehr unwahrscheinlich ein so schwerer Motorschaden ist, dass eine vollständige Überholung indiziert sei.

Auch über das Forum komme ich dann an den G-Shop24. Arno bietet mir an, dass er den Wagen irgendwie einschiebt, damit ich auf den Gamboree fahren kann. Der G-Shop24 ist ein auf Mercedes G spezialisierter Betrieb und das Telefonat gibt mir gleich ein gutes Gefühl. Bis zum Gamboree sind es noch 29 Tage. Ich fahre am 28.06. schon los um pünktlich dort zu sein.

Mittwoch den 31.05. bringe ich den Wagen auf eigener Achse nach Niederroßbach zu Arno und Nadine. Die beiden empfangen mich auch noch um 19:40 und ich fühle mich schon wieder gut aufgehoben. Ich erzähle also von dem Wagen, dass ich ihn nicht selbst umgebaut habe, von dem Problem mit der Ölfahne, von dem Problem mit den nassen Füßen bei Regen, von der bescheidenen Lenkung und auch vom Klacken bei Kurvenfahrten mit zugeschaltetem Allrad.

Arno hört es sich an und testet ein wenig herum. Nasse Füße gibt es, weil der Erbauer des Fahrzeuges es nicht so mit Dichtungen hatte. Er hat sie einfach weggelassen. Das Lenkgetriebe scheint vollkommen hinüber, was meinen Eindruck zum Lenkverhalten  zu 100% bestätigt. Die Welle hat Spiel in alle Richtungen. Das Lenkgetriebe muss auch überholt werden. Dann drehen wir eine Runde um das „Klacken“ zu testen. Arne erklärt mir bei der Fahrt im Detail wie es sich mit den homokinetischen Gelenken verhält. Auf einer Schotterpiste angekommen schalten wir den Allrad zu und fahren eine enge Kurve. Es macht „Klack, Klack, Klack, Klack ….“. Das heisst „richtig im Eimer“ und nicht nur ein bisschen. Das Klacken hatten wir schon in Belgien gehört, aber seit dem bin ich nie wieder mit Allrad gefahren. Die Vorderachse muss also auch gemacht werden. Arno zieht ein Gut- und ein Schlechtmuster aus dem Lager und zeigt mir wo die Gelenke verschleissen und was getauscht werden muss.

So nebenbei, die Vorlegewelle im Hauptgetriebe sowie der Synchronring des 3. Gangs sind auch nicht mehr in Ordnung, aber das kann man noch lassen. Ich lege den 3. mit Gefühl ein, dann kracht nix.

Viel Arbeit, wenig Zeit. Der Countdown tickt unbarmherzig runter. Der Auftrag den Motor instand zu setzen, sowie das Lenkgetriebe und die Vorderachse zu überholen ist erteilt. Priorität in der Reihenfolge der Aufzählung. Ich bin gespannt was Arno meldet wenn er die Brocken auf dem Tisch liegen hat. Ich will dieses Jahr nach Ungarn. Komme was will!

Ein bisschen ist schon der Wurm drinnen. Mitte Mai habe ich erst das Projekt R129 erfolgreich beendet. Am Freitag startet das Projekt 17m mit einer ersten Bestandsaufnahme. Ein neues G-Projekt stand gerade gar nicht auf der Agenda. Blöd wenn sich das Schicksal nicht an den Plan hält. Aber so ist das Leben, es hält immer Überraschungen bereit. ?

Update am 06.06.2017:

Arno ( G-Shop24 ) rief gerade an. Der Motor ist raus und zerlegt. Es ist wie befürchtet und damit wird der Motor nun überholt. Die Vorderachse wird auch überholt. Das Lenkgetriebe gegen ein gebrauchtes gutes Teil getauscht. Weil eh gerade alles auseinander ist, ersetzen wir das Getriebe auch gleich durch ein besseres gebrauchtes Getriebe, denn das Alte hält am Ende auch nicht mehr lange. So viel Arbeit und Ersatzteile hinterlassen Spuren in der Kasse. Aber unterm Strich bekomme ich jetzt auch keinen besseren für das Geld. Irgendwann kommt vielleicht der Tag an dem mir eine schöne und gute offene W460 Karosse über den Weg läuft. Dann wird er wieder zivil und der Aufwand neutralisiert sich durch den Wertzuwachs. Ein Bericht, vielleicht auch mit Fotos, zu der Überholung folgt … 

Update am 14.06.2017:

Auf meine Mail mit der Bitte um einen kurzen Status ruft Arno ( G-Shop24 ) an. Es sind noch 14 Tage zum Gamboree. „Der Wagen fährt schon wieder alleine.“ war die erste Info nach dem Hallo. Das freut das Herz. Er ist gerade beim BOSCH Dienst um die Zündung und den Vergaser auf die neuen Kolben einzustellen. Von meinem letzten Besuch bei einem ehemaligen BOSCH Dienst in Simmern bekam ich die Info, die Drosselklappenwelle sei ausgeschlagen. Arno konnte dies zwar nicht bestätigen, hat aber zur Sicherheit ein paar Vergaser mitgegeben. Das Ersatzgetriebe macht nach seiner Aussage ein bisschen Stress. Da muss er nochmals ran. Das Lenkgetriebe hat sich als nicht so schwer beschädigt wie befürchtet gezeigt und konnte repariert werden. Die Vorderachse ist dran sobald der Wagen zurück ist. Die Zeit drängt, denn der Wagen muss auch noch bewegt werden. Nach 1500km müssen die Ventile nachgestellt werden und das wäre in dem Moment in dem ich in Ungarn bin. Also wird Arno den Wagen eine Weile bewegen um dann am Schluss die Ventile nachzustellen und den Kopf nachzuziehen. Auch wenn er dann nur einige hundert Kilometer geschafft hat.

Update am 22.06.2017:

Die Schlussrechnung ist eingetroffen. Der Vergaser musste auch überholt werden. Ein Austausch wäre an der Stelle nicht sinnvoller gewesen. Die alten Stromberg Vergaser sind rar … Die Abholung wird für Montag den 26.06. terminiert, denn nach der kompletten Überholung müssen eigentlich nach 1500km die Ventile eingestellt werden und der Kopf nachgezogen. Also fährt Arno (widerwillig) nun ein paar Kilometer auf den G um den Job noch machen zu können bevor es nach Ungarn geht. 1500km wird er nicht schaffen, aber besser als nix.

Markus Sterk, selbst G-Liebhaber und Schrauber (baut seinen 300GD nach einer Komplettrestauration gerade wieder zusammen), ausserdem Winzer mit leckeren Grauburgundern und Rieslingen, wird mich am Montag zu Arno und Nadine bringen. Das wird ein schöner Abend und ich freue mich meinen G wieder in der Garage zu haben. Gamboree ist in 6 Tagen … Tick Tick Tick …

Update am 26.06.2017:

Knapper hätte es nicht sein können. Am Freitag erreicht mich noch eine Mail, dass der Wagen nachdem der Tank einmal vollständig leer war, sehr viel Dreck im Tank und in der Leitung hat. Kraftstofffilter setzen sich in 1-2 Minuten vollständig zu. Arno spült den Tank mit Benzin und verbraucht dabei viele Kaffeefilter und ersetzt kurzer Hand die komplette Kraftstoffleitung von vorne bis hinten. Lange Rede kurzer Sinn: Ich konnte den Wagen heute abholen und es ist wie ein anderes Auto. Er zieht, er lenkt … 😉 Zu der ganzen Aktion später mehr und wenn ich Bilder bekomme auch mit Details. Jetzt heisst es erstmal: GAMBORREEEEEEEEEEEE !

Zündung teilweise erneuern

Problem:

Der Wagen springt unwillig an, nimmt unwillig Gas an und hat Zündaussetzer. Vgl. Basistraining

Zuendung...

Lösungsansatz:

Alles was leicht zu tauschen ist und nicht viel Geld kostet, wird gnadenlos ersetzt. Wer weiss wie alt die Sachen sind und wie pfleglich sie behandelt wurden.

Ersatzteil(e):

Bei der Suche der Ersatzteile hat mir DaPo geholfen und sie auch geliefert. Als Ersatzteile wurden Komponenten der Firma BERU verwendet. Im Detail: Zündspule ZS109, Verteilerkappe VK310S, Zündverteilerläufer EVL113, Zündkondensator, Zündleitungen M106B;M107B und M107D. Das Kabel M106B ist zu lang, geht aber trotzdem. Dann noch 4x Zündkerzen vom Typ NGK 7639.

Zuendanlage erneuert - Ersatzteile

Werkzeug:

Schlitz- und Kreuzschlitzschraubendreher; 10er und 8er Schlüssel; Zündkerzensteckerschlüssel (21er) am besten mit Drehmomentschlüssel und Verlängerung.

Ausführung:

Gleich vorweg, vielleicht hatte ich auch nur Glück, aber diese Arbeit ist wirklich auch für Anfänger geeignet.

Ich habe mich von der Zündspule aus bis zu den Zündkerzen vorgearbeitet. Vorher ein Foto gemacht,

Zuendanlage erneuert - Vorher

 

damit ich auch ja alles wieder richtig zusammen bauen kann und ich kein Kabel vergesse.

Wahrscheinlich trennt man vorher die Batterie vom Bordnetz. Habe ich vergessen und es trotzdem überlebt.

Den Halter der originalen Zündspule habe ich belassen. Wenn man den abschrauben will muss man irgendwie zwischen den Kotflügel an die Kontermutter ran und dass war mir zu viel Aufwand. Der Halter passt, also Schutzkappe abziehen, die zwei Muttern öffnen. Die Kabel abheben und so hinlegen, dass man sie wieder richtig herum anschliesst. Ich mache ein Bild davon, dann kann ich es auch nicht vergessen. Dann den Stecker zur Verteilerkappe in der Mitte vorsichtig lösen. Das ist nicht ganz ohne, denn die haben sich seit Jahren angesaugt und gehen schwer ab. Wenn man an der falschen Stelle zieht, macht man ihn kaputt. Also unten umfassen und mit sanftem Druck nach oben ziehen. Zuendanlage erneuert - Zuendspule alt.

Wenn die Zündspule frei von Kabel ist, wird die Schraube hinter der Zündspule aufgedreht und unter drehen und leichtem Rütteln die alte Zündspule entfernt. Die neue Zündspule wird mit den Polen an der gleichen Stelle eingesetzt und in gleicher Höhe mittels der kleinen Schraube am Halter arretiert. Dann werden die Kabel wieder so angeschlossen wie vorher und die Schutzkappe kommt wieder drauf. [Anmerkung: Auf der Zündspule steht gross, dass man einen 1,8Ω Widerstand vorschalten muss. Der ist beim M110.973 bereits vorhanden!]

Weiter geht es mit der Verteilerkappe, dem Zündkondensator und dem Zündverteilerläufer. Verortet alles an der gut sichtbaren Verteilerkappe. Dort wo alle 5 Kabel zusammen laufen. Da es ziemlich wichtig ist, dass alle Kabel auch hier wieder an den richtigen Platz kommen, markiere ich alle Kabel mit einem Streifen Klebeband und vermerke die Position darauf. Anschliessen ziehe ich alle Zündleitungen ab. Auch die sitzen echt fest und man muss Vorsicht walten lassen.

Anschliessend nimmt man die Verteilerkappe ab. Dazu einfach mit dem Schlitzschraubendreher die beiden Federschrauben herunterdrücken und aushaken. Die Verteilerkappe kann dann gleich weg. Darunter sitzt der Zündverteilerläufer. Den kann man einfach abziehen. Ein beherzter Ruck und er ist ab. Durch eine Nut wird sichergestellt, dass der neue Läufer in der richtigen Position wieder aufgesteckt werden muss. Also kurz drunter schauen und dann richtig aufstecken. Wieder beherzt drücken bis er mit einem kleinen „Klack“ einrastet.

Zuendung Erneuern Zuendverteilerlaeufer

Solange die Kappe noch runter ist, kann der Zündkondensator ersetzt werden. Das ist ein wenig fummelig. Eine Schraube und ein Stecker. Öffnen, Abziehen, Anstecken und Festschrauben.

Dann kommt die Verteilerkappe wieder drauf. Sie passt nur in eine Richtung, also keine Sorge, falsch herum geht es nicht. Wieder mit einem breiten flachen Schlitzschraubendreher die Federschrauben herunterdrücken und einhaken.

Zuendanlage erneuert - Verteilerkappe

Im Anschluss ersetze ich die Zündleitungen und Zündkerzen Zylinder für Zylinder. So stelle ich sicher, dass ich die Kabel nicht vertausche. Die Zündkerzen werden mit 30nm (Angabe NGK) eingedreht. Man muss darauf achten, dass die Kerzenstecker hörbar einrasten wenn man sie auf die Zündkerzen steckt. Die Kabel wieder hübsch verlegen und schon bin ich fertig.

Zuendanlage erneuert, fertig!

Der Wagen, der vorher nicht anspringen wollte springt nun bei der ersten Umdrehung an und läuft im Leerlauf absolut rund obwohl der Motor seit Tagen nicht mehr gelaufen ist.

Entfallteile gab es demnach auch, die Kabel spare ich auf dem Bild aus.

Zuendung Erneuern Entfallteile

Die Probefahrt offenbart keine Probleme, ich habe sogar 110km/h geschafft.

Zuendung Erneuern Probefahrt

Leider fehlt mir das Equipment um die Einstellung der Zündung nochmals zu verifizieren. Deshalb werde ich dies bei der kommenden Runde (neuer Tank und neuer Auspuff) bei Frank Hecker machen lassen. Aber bis hier bin ich schon sehr zufrieden mit meiner Arbeit.